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Im Zug

26. März 2026 — Unterwegs nach Gut Nisdorf

26. März 2026 — im Zug nach Gut Nisdorf


Der erste Beitrag endete mit dem Zug um 07:11. Dieser beginnt darin.

Es ist 12:07 Uhr. Ankunft in Gut Nisdorf um 14:03. Ich bin irgendwo in Mecklenburg, fahre nach Norden, und die Landschaft vor dem Fenster ist schön auf die Art, wie flaches Land nahe am Wasser schön ist — weit, ohne Eile, anders beleuchtet als Brandenburg.


Das Fahrrad

Ich bin heute Morgen nicht auf einem Esel zum Bahnhof gefahren.

Ich bin mit dem Fahrrad gefahren.

Kalaratri — die siebte Form von Durga, die dunkle Nacht, die furchterregendste der neun — reitet auf einem Esel. Schlicht, ehrlich, ohne Glamour. Das Gefährt des langen Weges. Aber heute Morgen, kurz vor sieben, fuhr ich durch Brandenburg auf zwei Rädern aus eigener Kraft, Tasche auf dem Rücken, zum Bahnhof Frankfurt (Oder). Ich kam aus eigener Kraft an die Schwelle.

Das fühlte sich richtig an.


Die Brücke

Meine Tochter Julika ist zehn Jahre alt. Gestern Abend, als wir den Morgen durchgingen, entschied sie, mich zu begleiten — nicht zum Bahnhof, aber zur Brücke. Weit genug, um den Aufbruch zu markieren. Nah genug, um nicht zu spät zur Schule zu kommen.

An der Brücke trennten wir uns. Sie bog links ab, zur Schule. Ich bog rechts ab, zum Zug.

Die Brücke taucht immer wieder in dieser Geschichte auf. An einer der Brandenburger Brücken hängt ein Schloss mit zwei Namen. Ich habe Koordinaten in einem Brief hinterlassen. Die Pfeiler stehen noch im Wasser. Die Struktur wechselt die Form, aber sie hält.

Heute Morgen war es die einfachste Version: ein zehnjähriges Mädchen und ihr Vater, Abschied an der Kreuzung. Sie sagte, was sie sagt, wenn die Dinge sind, wie sie sind: es ist wie es ist.

Harmonisch. Das ist das Wort dafür.


Mutter und Kind

In Berlin wechselte ich den Zug. Ich wollte die Stille eines allein überschrittenen Schwellenmoments — ruhig, keine Anforderungen, nur die Bewegung nach Norden. Ich fand einen Platz, ließ mich nieder.

Dann erschien eine Mutter in der Tür mit einem Kinderwagen. Sie brauchte Hilfe, den Wagen hindurchzuschieben. Ich stand auf und half ihr. Sie setzte sich neben mich.

Ich hatte das nicht gesucht. Und wurde dennoch der Grund, warum es geschah.

Das ist nicht das erste Mal. An den Kreuzungspunkten meines Lebens — den bedeutenden, wo der Boden sich verschiebt — ist eine Mutter mit einem kleinen Kind erschienen. Ich nenne es nicht mehr Zufall. Ich bin offenbar kein Mann, der dieser bestimmten Begegnung erfolgreich aus dem Weg gehen kann, weil ich offenbar auch kein Mann bin, der zusehen kann, wie jemand mit einem Kinderwagen kämpft, und sitzen bleibt.

In der Navratri-Folge ist die fünfte Form von Durga Skandamata — die Mutter, die ihr Kind auf dem Schoß trägt, während sie auf einem Löwen reitet. Sie wählt nicht zwischen dem Verwundbaren und dem Gefährlichen. Sie hält beides, auf demselben Boden.

Ein Schwellengespräch. In sich vollständig. Nichts zu halten, nichts, dem man folgen müsste.


Zwischen zwei Welten

Die sieben Pfeiler stehen. Ich habe sie heute Morgen gezählt, irgendwo zwischen Müllrose und hier, als sich die Landschaft weitete und der Himmel öffnete.

Sieben Morgen. Sieben Pfeiler, gehauen im Dunkel bevor Brandenburg erwachte. Das Haus ist gebaut. Und jetzt ist der achte Tag — Navratri Tag 7, Kalaratri, die dunkle Nacht — kein Tag der Ankunft oder des Aufbruchs, sondern des Übergangs. Der Zug hält mich im Dazwischen.

Nicht mehr Brandenburg. Noch nicht Gut Nisdorf. Keine Adresse, keine Verpflichtung. Nur Bewegung und flaches Licht und die Erinnerung an eine Brücke und ein Mädchen, das links abbiegt.

Jemand hat einmal gesagt: Haltet diesen Zug an. Der Zug hält nicht an. Das ist es, was ihn zum richtigen Bild für eine Schwelle macht — er bewegt sich nach seinem eigenen Fahrplan. Man steigt ein oder nicht.

Ich bin eingestiegen.

Gut Nisdorf kommt um 14:03. Achim ist am anderen Ende. Der Garten wartet. Das Ostseelicht wird anders sein als das Brandenburger Licht.

Das Fest beginnt heute — auch im Zug, auch im Dazwischen.

Ehyeh asher Ehyeh.


A Pilgrim's Fitness Plan — Gut Nisdorf 2026
Michel Garand | CC BY-SA 4.0
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