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Links, Rechts

Tag 39 in Gut Nisdorf

Wake-up feel: 5.

04:25 — Augen auf. Im Bett geblieben. Noch einmal eingedöst, um 5:15 aufgestanden. Die Übungen versucht. Der Arm ließ einige zu, nicht alle. Kommt langsam zurück — langsam, aber es geht.

Vor sechs auf dem gewundenen Weg. Keine Sonne. Schwere Wolken, Westwind. Der Tag sah von außen geschlossen aus.

Was ich zuerst bemerkte: Die Gerüche waren getrennt. Rechts: Rapsblüten — süß, dicht, fast aufdringlich in der feuchten Luft. Links: trockenes Schilf — salzig-flach, staubig, älter als die Jahreszeit. Kein Vermischen. Eine saubere Trennlinie, von rechts nach links, als wäre der Weg gebaut worden, um sie auseinanderzuhalten.

Ein paar Schaumkronen auf dem Bodden.

Zunächst bewegte sich sonst nichts. Keine Wildschweine, keine großen Vögel, keine Enten. Nur der Wind, und mehr Vogelgezwitscher als gestern — deutlich mehr. Der Tag war lebendiger als er aussah.

Dann die einzelne Krähe — von der Wegseite her über die Schilffelder kommend, lautlos die Windströmungen reitend. Den ganzen Weg herüber kein Laut. Erst als sie den Bodden erreicht hatte, begann sie zu rufen, wiederholt, dieselbe Note. Vielleicht Freude. Ich kann es nicht sagen.

Dann, über dem Raps, ein Schwarm. Zwölf Enten, auf mich zufliegend. Im letzten Moment lösten sich zwei aus der Gruppe — scherten aus und flogen direkt über mich hinweg — während die anderen ihre Linie zum Bodden hielten. Die Trennung war sauber. Kein Zögern auf keiner Seite.

Auf dem Rückweg blieb ich bei einem Walnussbaum stehen, der gerade seine Blätter entfaltete. Die Walnuss ist einer der letzten Bäume, die sich öffnen.

Blatttag. Mond im Skorpion.


Tag 39 — Phase 6 — Geschmack — Dünndarm — Diamant — Ecclesiastes
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Baltic Coast
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