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Der Sommer war gekommen

Der letzte Morgen in Gut Nisdorf

Der Sommer war gekommen

Aufwachgefühl: 6.

Um eins wach. Gegen drei erneut wach, der Geist wälzte etwas. Zurück in den Schlaf, und ein Traum — ein Zug, eine Fremde, die sich auf den Sitz neben mir fallen ließ. Kein Hallo; ich fragte sie geradeheraus, wie es ihr gehe. Dann eine Frage von ihr, fort, als ich erwachte. Um vier auf. Geschwommen, dann hinaus.

Der gewundene Weg zwischen dem Bodden und dem Schilf, dahinter der Raps, die Sonne irgendwo hinter grauer Wolke am Horizont. Beim Verlassen des Geländes, an der Schwelle, der erste Duft — Holunderblüte. Ein Dutzend Meter weiter ein anderer. Ein Dutzend weiter, noch einer. Jeder rein. Und friedlich.

Der erste Morgen hier, an dem der Sommer gekommen war. Das Licht, die Vögel, ein warmer Westwind vom Wasser her. Alles still. Und friedlich.

Hinter der Biegung, auf halbem Weg, ein Schwan auf dem Bodden. Allein. Ein paar Meter weiter änderte sich der Blickwinkel, und es waren zwei.

Der Kuckuck rief einmal. Dann nichts — der Wind, die Kräuselwellen.

Bevor ich umkehrte, dachte ich an den Motor. Den Fischer. Seit Tagen habe ich ihn nicht gehört. Meine Augen füllten sich.

Ich wandte mich heimwärts. Ein junges Reh stand auf dem Weg — ein Kitz. Fünfundzwanzig Meter zwischen uns, Auge in Auge, beide neugierig. Dann trat es ins Gebüsch.

Am Ende des Weges, wieder an der Schwelle, die Ricke. Sie schrak nicht auf. Den Kopf gewandt, am eigenen Rücken — Zecken, vielleicht. Sie sah mich an. Ich sah sie an.

Blatt-Tag. Der Mond zu Hause im Krebs, Wasser im eigenen Zeichen, bis spät — dann über die Grenze in den Löwen, und Blatt weicht der Frucht. Die Kräfte nach unten gezogen, in den Boden.

Dann zurück nach Gut Nisdorf, zum Packen.


Tag 84 — Phase 12 — Ich / Anderer — Leber — Jaspis — 1. Korinther 13
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Baltic Coast
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