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Der Westwind, hin und zurück

Vorwärts auf dem Hinweg. Gegen mich auf dem Rückweg.

Der Westwind, hin und zurück

Wachgefühl: 6.

Regen in der Nacht. Wind. Wach um 03:36 — der Wind durch die Bäume, und er hörte nicht auf.

Auf, in den Schwimmteich, bereit für den Tag. Dann hinaus auf den gewundenen Weg. Der Bodden und das Schilf zur Linken, der Raps zur Rechten, die aufgehende Sonne irgendwo hinter den Wolken.

Der Westwind wehte den ganzen Weg über. Vögel im Hintergrund. Schaumkronen auf dem Bodden. Schwäne verstreut über eine kleine geschützte Bucht nahe dem Ufer.

Auf dem Hinweg schob mich der Wind voran. Auf dem Rückweg stand er gegen mich.

Das ist der vorherrschende Wind an dieser Küste — der Westwind, der, in dem die Menschen hier immer schon gelebt haben. Ein stetiger Westwind wie dieser drückt die See gegen das Land und hebt das Wasser im Bodden; an einer flachen Küste war das seit jeher der Wind, auf den man achtet. Die Slawen, die einst an diesem Ufer lebten, zählten die Winde zur Verwandtschaft ihrer Götter — die Enkel, so die alte Überlieferung, des Stribog, des Großvaters der Winde. Ein Wind, der nicht aufhört, war nie nur Wetter.

Gestern Abend ein Beisammensein — ein paar Stunden lang wieder Mensch, wir alle. Irgendwann wandte sich der Raum mir zu. Fünf von ihnen, und ein paar Gäste. Sie spiegelten mir, was sie in diesen neunundsiebzig Tagen von mir gesehen hatten — das Ich, das ich an diesem Ort gewesen war.

Es gab mir Halt. Und nicht. Die Entscheidung ist getroffen — und ihr Preis ist auch da.

Der Kalender sagt heute Wurzel. Der Mond steht im Stier, einem Erdzeichen, und an Wurzeltagen, so die alten Gärtner, wird die Kraft einer Pflanze nach unten gezogen — in die Wurzel, in das, was sie im Boden festhält. Kein Tag, um zu säen, was blüht. Ein Tag, an dem die Dinge nach unten gehen und Halt finden.

Es ist der zweite solche Tag in Folge. Was gestern in den Boden kam, geht heute tiefer, nicht weiter — die Kräfte verdichten sich, statt auszugreifen.

Morgen wendet sich der Boden. Ein Neumond vor der Morgendämmerung, und am Nachmittag tritt der Mond in ein Luftzeichen über, die erste Neigung zur Blüte. Ein Anfang, gesetzt in die letzte Woche von alldem.

Heute also ist ein Tag, um bei dem zu bleiben, was schon entschieden ist — nicht um es zu bewegen. Es sich setzen lassen, wie sich die Wurzel setzt: still, nach unten, in den Teil, der hält.

Heute ist Sonntag. Der Wind hat nicht aufgehört.


"Sieben Orte lagen auf dem Tisch. Die Zahl war nie die Frage. Jetzt höre ich, die Richtung ist gelesen. Ich bin hier, um zu dienen, mit. Die Bedürfnisse der Menschen, die mir all die Jahre nahe waren, gehören auch dazu."


Tag 80 — Phase 12 — Ich / Anderer — Leber — Jaspis — 1. Korinther 13
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Baltic Coast
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