Der Westwind
Gehört, nie gesehen.
Wachgefühl: 6.
Ich wachte um 03:43 auf. Zuerst der Kopf wach, dann die Vögel. Um 03:55 musste der Körper sich bewegen.
Auf, hinaus, in den Schwimmteich. Das Wasser kalt.
Die Luft war frisch nach dem nächtlichen Gewitter — neue Luft war eingezogen, ionisiert.
Übungen. Dann die Straße.
Die kurvige Straße: links der Bodden und die Schilffelder, rechts der reifende Raps und die aufgehende Sonne. Blauer Himmel.
Bevor ich die Schwelle zur Straße erreichte, irgendwo hinter mir, rief der Kuckuck.
Da begannen die Tränen. Sie hörten nicht auf.
Der Westwind drückte nach Osten. Oder eine Prüfung für mich. Ein Baum ließ seine Blätter rascheln. Rechts bewegte sich etwas durch den Raps und die Büsche, als folgte es mir.
Nahe dem Wendepunkt, im Busch zu meiner Rechten, bellte ein Rehbock. Ich nahm ihn wahr und kehrte um, zurück nach Nisdorf.
Blatt heute Morgen. Gegen zwei wechselt der Mond in den Widder, und Blatt wird zu Frucht — das Wasser geht ins Feuer über. An dieser Küste lagen die beiden immer an den Rändern eines Tages — der Bodden, der die alten Opfergaben nahm, die Sonne, der sich der Körper im Morgengrauen noch zuwendet. Der Übergang von einem zum anderen ist älter als jeder, der ihn geht. Das Land wendet sich, wie ich mich wende — aus den Wassermonaten, hin zur Frucht und zum Feuer.
Ich ging. Ich weinte. Ich kam zurück, wie ich hinausgegangen war.
Sieben Orte lagen auf dem Tisch. Die Zahl war nie die Frage. Jetzt höre ich, die Richtung ist gelesen. Ich bin hier, um zu dienen, mit. Die Bedürfnisse der Menschen, die mir all die Jahre nahe waren, gehören auch dazu.
Tag 77 — Phase 11 — Gedanke — Gallenblase — Onyx — Ubuntu
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Baltic Coast
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