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Eine Kerze brannte

Meine Mutter diente uns in guten wie in schlechten Zeiten

Wachgefühl: 6.

Ein Licht ist letzte Nacht erloschen. Eine Kerze brannte die Nacht hindurch, bis zum Sonnenaufgang.

Meine Mutter ist in der Nacht gestorben, in einem Krankenhaus, mehr als sechstausend Kilometer westlich von hier. Die Kerze war meine Wache — die Wache, die auf diese Entfernung gehalten werden konnte.

03:03, die ersten Vögel. 04:15, mehr. Ich bin aufgestanden, habe die aufgehende Sonne begrüßt, die Übungen gemacht, den Tag vorbereitet. Jetzt der Bahnhof Müllrose, sitzen, auf den Zug warten.


Blüte den ganzen Tag — ein Blütentag. Aufsteigender Mondknoten um acht; der Kalender sagt, der Garten ruht in den Stunden um den Knoten. Ich bin in keinem Garten. Ich bin auf einem Bahnsteig.


Gestern habe ich geschrieben, dass sie für uns gekocht hat, für uns gesorgt hat, mit uns da war. Heute ändert sich die Zeitform. Alles andere bleibt.

Sie diente uns in guten wie in schlechten Zeiten. Ein Ehemann, acht Kinder, Essen auf dem Tisch durch alles hindurch. Der Boden trägt — zweiundsiebzig Tage lang meinte dieser Satz den Boden unter meinem Körper. Gestern meinte er auch sie. Diese Zeitform ändert sich nicht.


Heute läuft Julika in Beeskow. Danach Zirkustraining. Ich werde bei beidem da sein. Morgen, früh, die Straße zurück nach Gut Nisdorf — bis zum Achtzehnten.


Wir sind, weil sie war.


"Sieben Orte lagen auf dem Tisch. Die Zahl war nie die Frage. Jetzt höre ich, die Richtung ist gelesen. Ich bin hier, um zu dienen, mit. Die Bedürfnisse der Menschen, die mir all die Jahre nahe waren, gehören auch dazu."


Tag 73 — Phase 11 — Gedanke — Gallenblase — Onyx — Ubuntu
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Baltic Coast
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