Hof-Ubuntu
Tag 70b — 4. Juni 2026
Die letzten Tage habe ich der Vergangenheit zugehört. Sie antwortete mit einem Hof.
Vor Jahren habe ich ihn aufgebaut. Gemüse in Reihen. Ein paar Schafe, einige Ziegen, Bienen am Rand des Feldes. Eine kleine Landwirtschaft — die Art, die alles verlangt, was man hat, und das meiste von dem, was man nicht hat.
Ich nannte ihn Hof-Ubuntu. Ubuntu — Ich bin, weil wir sind. Ich habe ihn nicht nach mir benannt.
Der Name stand nicht nur über dem Tor. Wir feierten Gartenfeste — internationale, Menschen aus allen Lebensbereichen an einem langen Tisch. Das Wort wurde dort gelebt, bevor es verstanden wurde.
Es war ein Traum. Nicht das, was das Licht brennen ließ — das war nie mein Ressort — sondern das, was ich bauen wollte. Eine Art, das Land zu bearbeiten, die zurückgibt, was sie nimmt.
So ein Hof läuft nicht mit Geld. Er läuft mit Zeit. Stunden, die nicht zurückkommen. Ich habe sie in den Reihen und bei den Tieren verbracht, und im Haus warteten die Menschen, die ich liebte.
Eines Tages wurde es mir klar gesagt. Familie oder Gemüse.
Ich habe die Familie gewählt.
Es sah aus, als gäbe ich etwas auf. Das stimmte nicht. Der Traum stand auf der Familie wie ein Dach auf Wänden. Keine Familie, kein Traum. Man erhält das Dach nicht, indem man die Wände einreißt.
Das Wort stand schon über dem Tor. Ich bin, weil wir sind. Als die Wahl kam, musste ich nicht entscheiden, was wahr ist — nur, ob ich tun würde, was der Name die ganze Zeit gesagt hatte. Ich ließ den Hof gehen. Ich behielt das, worauf der Name zeigte.
Menschen fragen, wofür ein Mann, ein Vater, da ist. Ich habe über die Jahre viele Antworten gegeben, die meisten handelten von Arbeit.
Die wahre ist schlichter. Der Kern ist Familie. Nimm die Projekte weg, das Land, den Traum — das ist, was stehen bleibt. Nicht, was ich tue. Woraus ich gemacht bin.
Ich habe einen Hof gebaut, um es zu sagen. Verstanden habe ich es an dem Tag, an dem ich ihn gehen ließ.
Dann, über die Jahre, habe ich es vergessen. Nicht auf einmal — so, wie ein Feld verloren geht. Nicht durch Sturm. Durch Vernachlässigung. Man geht die Reihen nicht mehr ab, und eine Saison später sind die Reihen weg.
Siebzig Tage gehe ich sie nun wieder ab. Auf vor der Sonne. Der Körper, der Boden, das Schreiben, das Zuhören.
Es gibt keinen Zaun gegen das Vergessen. Nur das tägliche Gehen.
Sieben Orte lagen auf dem Tisch. Die Zahl war nie die Frage. Jetzt höre ich, die Richtung ist gelesen. Ich bin hier, um zu dienen, mit. Die Bedürfnisse der Menschen, die mir all die Jahre nahe waren, gehören auch dazu.
Tag 70b — Phase 11 — Gedanke — Gallenblase — Onyx — Ubuntu
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Baltic Coast
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