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Der Rabe und die Drei

Tag 63 — Müllrose

Wake-up feel: 6.

04:23. Erstes Licht, Vögel singen bereits, die Sonne knapp unter dem Horizont. Hinaus in die kühle Luft, Übungen. Die Geräusche Müllroses, das erwacht — kein Bodden, kein Wind vom Wasser, kein Fischer, kein Motorengeräusch. Autos in der Ferne. Menschen auf dem Weg zur Arbeit.

Kein Spaziergang vorbereitet. Zuerst Frankfurt (Oder) — das Café im Bahnhof, Strom, ein Tisch.

Ein Rabe im Baum über dem Zelt. Krächzend und krächzend — der alte Klang dieser Landschaft. Brandenburg, das Schlaubetal, sandiger Boden und Kiefer: Raben haben hier Aufbrüche begleitet, lange bevor Orte Namen hatten.

Im Norden tragen sie Gedanken und Erinnerung. Einer auf jeder Schulter. Sie brechen immer vor dir auf.

Dieser flog davon, als ich aufbrach.


Meine Gedanken kehrten zum gestrigen Tag zurück. Beim Verlassen des Co-Working-Spaces der Universität, drei ehemalige Schüler der Schule, an der ich unterrichtet habe. Alle Freunde von Sini. Sie wussten von meiner Situation. Sie fragten, wie es mir geht. Ihre Gedanken waren bei Julika.

Es war warm auf eine Art, die einen unvorbereitet trifft.

Sie gaben mir Hoffnung, dass es Menschen gibt, die noch menschlich sind. Jugendliche, die die Zukunft gestalten.

Ich bin noch dabei, wieder Mensch zu werden.


Wurzeltag. Der Mond in der Erde — verdichten, hinabziehen, die Basis tief genug legen, dass das, was folgt, Halt findet. Nicht der Tag zum Öffnen. Der Tag, die Wurzel zu legen.

Dreiundsechzig Tage. Die Pilgerreise fragt: Wo setzt du sie an?

Um 23 Uhr tritt der Mond in die Waage. Luft. Blüte. Was der Wurzeltag vorbereitet hat, beginnt die Nacht zu öffnen.


Tag 63 — Phase 9 — Hören — Perikard — Amethyst — Psalm 46 + Johannesevangelium
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Ostseeküste
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