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Der Vater und der gewöhnliche Dienstag

Tag 62 — Müllrose

Aufwachgefühl: 5.

Ein Rehbock bellte in der Nacht. Oder ich habe ihn geträumt.
Zweimal — dann Stille — dann ein Stampfen.
Ich lag im Zelt und lauschte. Nichts mehr kam.

Wendisches Land. Alter Ruf in altem Wald.

Kein Bodden. Kein Schilf. Kein Fischer.
Zelt. Keine Wasserpumpe. Kein Strom.
Die ersten Tage ohne Morgenkaffee.

Nah bei meinen Kindern. Mitten in der Wunde.

Wurzeltag. Mond noch in der Jungfrau.
Der Körper weiß es, bevor der Verstand es tut.

Montagabend: Mattheo brachte das Essen — Brot, Speck, Eier.
Er machte das Feuer — ohne Streichhölzer.


Wie ist ein Vater ein Vater, wenn er nicht am Küchentisch sitzt
an einem gewöhnlichen Dienstag?

Dienstagmorgen: das lokale Café, Vater und Sohn.
Die Brücke. Das alte Wasserrad — dreht sich noch.
Das Schloss — verrostet, Spinnweben.


Später: Julika, Mattheo, Papa. Picknick im Garten — alle drei.
Mattheo — sechzehn — ging nach Hause. Seine Freundin, Schule am nächsten Morgen.

Dann der Strand.

Am Strand sagte Julika: Papa, du gehst dahin
und ich gehe dahin — zu meiner Freundin.

Sie ging. Ich war irgendwo anders am gleichen Strand.
Ab und zu kam sie — für Wasser, für einen Apfel,
für ihre Bedürfnisse oder einfach um zu wissen, dass ihr Papa da ist.

Als ihre Freundin nach Hause ging, kam sie zurück.
Wir lagen zusammen am Strand.

An der Kreuzung: zwei Richtungen.
Julika und ihre Mutter, nach Hause. Ich, das Basecamp.
Ich spürte Dankbarkeit in Julikas Herzen und etwas Trauriges in ihren Augen.


Sieben Orte lagen auf dem Tisch.
Jetzt drei. Was ich benenne, ist, was ich brauche,
wo auch immer ich lande. Nicht nur meines.
Die Bedürfnisse derer, die ich liebe, gehören auch dazu.


Tag 62 — Phase 9 — Hören — Perikard — Amethyst — Psalm 46 + Johannesevangelium
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Ostseeküste
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