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3:15

Tag 47 — Frankfurt (Oder)

Wake-up feel: 6.

Aufgewacht um 3:15. Der Körper entschied, dass der Tag zu groß war zum Schlafen.

Hotelzimmer in Frankfurt (Oder). Eng. So groß wie eine Gefängniszelle. Es reicht.

Übungen im Dunkeln gemacht. Die Routine lebt jetzt im Körper — kein Platz nötig, keine Ausrüstung, kein Licht. Kopf, Herz, Hände.


Fünfzehn Jahre, in denen mir die Worte fehlten. Heute Morgen um vier Uhr, in einem Zimmer dieser Größe, fand ich einen Satz.

Er kommt auf eine Karte. Das reicht.


Drei Dinge liegen heute vor mir. Zuerst: das Amt in Müllrose. Einunddreißig Jahre in Deutschland. Fünfzehn in einer Stadt. Heute Morgen melde ich, dass ich keine feste Adresse habe. Ein Zelt. Ein Container. Der Raum zwischen dem, was war, und dem, was noch kommt.

Dann: ein Brief an Julika. Sie ist elf Jahre alt. Sie verdient Worte auf Papier, keine Nachricht auf einem Bildschirm.

Dann: Frankfurt (Oder) Bahnhof um elf. Sini.

Gestern las sie, was ich meinen Kindern geschrieben habe. Sie antwortete innerhalb einer Stunde. Wir begegneten uns zufällig an diesem selben Bahnhof — beide weinend, in der Öffentlichkeit.

Heute treffen wir uns wieder. Diesmal absichtlich.

Blütetag bis mittags. Dann tritt der Mond in die Fische. Blatttag. Auflösung.

Der Pilger bricht auf.


Tag 47 — Phase 7 — Wort — Blase — Onyx — Buch Hiob
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Ostseeküste
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