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Der Geruch des Todes

Tag 38 in Gut Nisdorf

Aufwachgefühl: 5.

Rechter Oberarm, rechte Schulter — Schmerzen, die sich seit dem Vortag aufgebaut hatten, schlimmer durch die Nacht. Um 3:30 griff ich zum Aspirin. Irgendwann kam der Schlaf zurück. Aufgewacht um 5:45, trotzdem aufgestanden.

Zu schmerzhaft für die Übungen. Stattdessen: raus in den Garten. Gemüse und Blumen für die Küche gepflückt — das Frühstück für die Gäste wurde vorbereitet. Dienst vor dem Spaziergang.

Als ich den gewundenen Weg zwischen dem Bodden und den Rapsfeldern erreichte, stand die Sonne bereits weit über dem Horizont. Der Morgen hatte später und anders begonnen.

Das Erste, was ich bemerkte: die Stille. Vogelzwitschern — weniger als in den letzten Tagen. Kein Wildschwein. Keine Krähen, keine Enten, keine unbekannten Vögel über mir. Kein Flugzeug. Schilf links, Raps rechts. Fast nichts in Bewegung.

Auf dem stillen Bodden, in der Ferne: ein einzelnes Schwanenpaar. Die Hauptgruppe weit entfernt — fast auf der anderen Seite.

Noch Blütenzeit, vor neun.

Ich ging und versuchte, den Geruch zu benennen. Eine Mischung. Ich ließ es eine Weile kreisen, bevor der Satz kam:

Es ist der Geruch des Todes.

Zurück in Gut Nisdorf, war der Arm bereits leichter.


Tag 38 — Phase 6 — Geschmack — Dünndarm — Diamant — Kohelet
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Ostseeküste
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