Unser Raum
Tag 30 — Gut Nisdorf — 25. April 2026
Aufgewacht 5:06. Gefühl 6. Starker Westwind, ohne Pause.
Weißkappen auf dem Bodden.
Übungen gemacht. Spaziergang entlang des Wiesenwegs. Das Schilf
flach nach Osten gedrückt.
Blatt-Tag bis zum Morgen. Dann Frucht. Der Kalender dreht sich
in derselben Stunde, in der der Mond in den Löwen eintritt —
Feuer trifft Feuer. Uranus verlässt heute den Stier nach sieben
Jahren, zieht in die Zwillinge. Das Zeichen des Paares. Das
Zeichen der Stimme. Das Zeichen des Buches.
Für einen Löwen, an einem Frucht-Tag, mit dem Mond im eigenen
Zeichen: Der Boden zieht nicht mehr nach innen. Etwas ist
gereift.
Warum hier.
Nicht von einer Liste gewählt. Gut Nisdorf kam als einziger
Boden, der verfügbar war, als Boden gebraucht wurde. Dreißig
Tage an der Ostseeküste — der Bodden weder Meer noch See, der
Horizont flach und eindeutig, der Westwind fragt nicht um
Erlaubnis. Dieser Ort hat etwas mit dem Körper gemacht, das
Brandenburg nicht konnte. Das angesammelte Feld einer Küste
hält, was in ihr geschehen ist. Die Kiesel liegen zwischen alten
Schichten. Letzte Nacht träumte ich davon, sie herauszugraben.
Der Traum ist nirgendwo anders passiert. Er passierte hier.
Es gab einen Traum.
Eine Motorradgang. Kollektives Männliches — codierte Loyalität,
Bewegung als Identität. Nicht feindlich. Präsent.
Am Ende, kurz vor dem Aufwachen, waren der Anführer und ich
zusammen unter der Erde. Gruben vorsichtig. Entfernten Kiesel
aus den Schichten. Machten einen Raum darunter.
Er sagte: Hier können wir gemeinsam unser Buch schreiben.
Tag 30. Der dritte Tag von etwas, das sich nicht zusammenfasst.
Der Raum wird gemacht.