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Shit Disturber

Tag 26b — Dienstag, 21. April 2026 — Gut Nisdorf

Mein Vater nannte mich immer einen Shit Disturber — einen, der die Dinge aufwühlt.

Heute habe ich vier Kubikmeter Kompost bewegt und mit Terra Preta vermischt. Einen neuen Haufen angelegt. Umgeschichtet, was sich gesetzt hatte. Freigelegt, was darunter lag. Luft hineingelassen.

Der Ausdruck kam, während der Körper noch arbeitete. Er wusste es, bevor der Verstand es tat.


In der biodynamischen Praxis ist der Hof ein Organismus — der Boden, die Pflanzen, die Tiere, die Menschen, die ihn pflegen, alles ein lebendes System. Der Komposthaufen spiegelt die Gemeinschaft wider, in der er angelegt und gepflegt wird. Was hineingegeben wird. Was umgeschichtet wird. Was im Dunkeln arbeiten darf. Was entsteht.

Achims Terra Preta hält Kohlenstoff über Jahrhunderte — angesammeltes Gedächtnis im Boden. Heute wurden diese beiden Dinge mit den Händen gemischt.

Ein Shit Disturber, der Kompost aufbaut. Die Logik ist exakt.


An diesem Abend hielt Gut Nisdorf seinen Menschlichen Abend — Wieder Mensch werden.

Menschen sprachen aus, was sie bewegt. Den Tag, die Woche, was sich gesetzt hatte, was noch darunter arbeitete. Ein sicherer Raum. Echte Offenheit. Vertrauen, das nicht erzeugt, sondern gepflegt worden war — so wie ein Feld gepflegt wird — lang genug, um zu tragen, was die Menschen mitbrachten.

Der Komposthaufen. Der Menschliche Abend. Dieselbe Geste. Dasselbe Prinzip.

Was im richtigen Behälter gehalten wird, verwandelt sich von selbst.


Biodynamisch: Wurzeltag bis 19 Uhr — Mond im Stier, die Erde arbeitet unter der Oberfläche. Um 19 Uhr wechselte der Mond in die Zwillinge — Blütetag beginnt. Die Hände im Kompost am Morgen. Die Stimmen, die sich am Abend öffnen. Der Kalender hielt beides, in der richtigen Reihenfolge.


Mein Vater hatte recht. Er wusste nur nicht, was ich schließlich aufwühlen würde.


© 2025–2026 Michel Garand | A Pilgrim's Fitness Plan
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Baltic Coast, Germany
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