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Ziel

Tag 24b — Sonntag — Gut Nisdorf

4 Uhr morgens. Ein Wort tauchte in meinem Kopf auf. Ein einziges Wort. Deutsch.

Ziel.

Nichts daran geheftet. Keine Angst, keine Dringlichkeit. Der Körper war in Frieden. Ich habe es abgelegt und bin wieder eingeschlafen.


Ziel bedeutet Destination. Absicht. Ziellinie. Das Wort lässt sich nicht sauber übersetzen — es hält alles davon gleichzeitig, und nichts davon vollständig. Ein Wort für Läufer. Ein Wort für Pilger.

Ich bin in Phase 4. Balance. Die Frage, die diese Phase immer wieder stellt, ist nicht: Wohin gehe ich — sondern: Bin ich stabil genug, um klar zu sehen, wohin ich gehe.

Die Frage lautet nicht: Was ist mein Ziel?

Die Frage lautet: Wie sieht Balance für mich aus — damit ich das Ziel lange genug festhalten kann, um darauf zuzugehen? Ein Ziel ohne Arbeit dahinter ist ein Wunsch. Balance ist davon nicht getrennt — sie ist die Voraussetzung, die nachhaltige Arbeit erst möglich macht.


Heute Morgen lief jemand, den ich kenne, einen Halbmarathon in Posen. Startnummer 8871. Unter 14.500 Läufern. Sie hielt ihr Tempo durch. Um 11:11 Uhr überquerte sie die Ziellinie. Die Ziellinie war aufgebaut aus fokussiertem, konsequentem Training und gehaltenem Tempo.

Sie hatte ihr Ziel erreicht.

Und jetzt wird sie für das nächste trainieren.


Das Wort kam um 4 Uhr morgens unbelastet an, weil das Ziel bereits irgendwo unterhalb der Sprache existiert. Die Pilgerreise ist der Prozess, mit dem der Rest von mir aufholt.

Heute war es genug, das zu wissen.