Tag 15 — Der Himmel ließ sich alle Möglichkeiten offen
Phase 3 — Bewegung — Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern
Gegen Vormittag war der Himmel vollständig bewölkt. Kein Blau, keine Richtung. April an der Ostseeküste — alle Möglichkeiten offengelassen.
Ich bemerkte es auf dem Rückweg vom Garten und dachte: Das könnten wir heute Abend in einen Post verwandeln.
Der Tag hatte bereits genug gegeben. Der erste Spaziergang der Phase 3 beim Sonnenaufgang — kalter Ostwind, ein gewundener Weg zwischen dem Bodden und den Feldern, Hunderte von Schwänen, die von ihrem Nachtrastplatz abhoben. Das Geräusch vor dem Anblick. Die weiße Masse von ihnen, die sich erhebt, ordnet, ihre Richtung findet.
Am Nachmittag war der Himmel flach und grau. Möglicher Regen. Möglicher Schnee. Die Landschaft noch unentschieden — so wie der April manchmal ist. So wie manche Dinge es sind.
Ich ging in den Garten. Tat, was der Boden verlangte. Kam zurück.
Gegen 18 Uhr kam die Sonne zurück. Die Art von Rückkehr, die etwas verspricht. Ich dachte: Heute Abend könnte es einen wunderschönen Sonnenuntergang geben.
Dann kamen Achim und Ina nach Hause. Die Gemeinschaft versammelte sich neu. Der Tisch wurde gedeckt. Das Abendessen geschah — Gespräch, Wärme, die gewöhnliche Außergewöhnlichkeit von Menschen, die nach Tagen der Trennung zusammen essen.
Ich habe den Sonnenuntergang verpasst.
Es steckt etwas darin, das ich nicht übererklären werde.
Der Himmel ließ sich den ganzen Tag alle Möglichkeiten offen. Ich auch. Und dann kam das Leben einfach an — nicht als Unterbrechung, sondern als die Sache selbst — und der Sonnenuntergang geschah ohne Zeuge, oder mit welchem Zeugen er auch immer auf eigene Faust fand.
Phase 3 ist Bewegung. Gehen ohne Ziel. Der Weg entscheidet mehr als der Plan.
Der Sonnenuntergang entschied ohne mich. Das scheint richtig für Tag 15.
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern — Tag 15 — 10. April 2026
A Pilgrim's Fitness Plan — Regenerating the Body You Already Have
CC BY-SA 4.0 — Michel Garand