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Mein Stern

Müllrose

Wir waren vor ein paar Tagen zusammen. Der gewöhnliche Dienstag. Jetzt ist sie mit ihrer Mutter am Meer. Das zweite Zuhause, wo sie im Frühsommer sein sollte.

Heute Morgen liefen meine Gedanken bergab — darüber habe ich schon geschrieben. Heute Nachmittag, in der Stille, die der Besuch hinterließ, möchte ich das festhalten, was stillsteht, während alles andere rutscht: was ich in der ersten Stunde in ihr sah und seit elf Jahren in mir trage, ohne es je aufgeschrieben zu haben.

  1. April 2015. Ostern. Sie wurde am Morgen des ersten Vollmonds nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche geboren, des Ostervollmonds — dieselbe Logik, die das Fest jedes Jahr verschiebt, ihren Geburtstag aber nicht. Der 4. April bleibt.

In den ersten Stunden hielt ich sie. Ihre Mutter war bei den Ärzten. Eine Weile waren es nur wir beide, in einem jener Zimmer, die ein Krankenhaus für so etwas bereithält.

Ich sagte eines. Mein Stern. Kein Name, nach dem ein Vater greift. Eine Beobachtung. Sie war einen weiten Weg gekommen, und etwas von dort, woher sie kam, lag noch auf ihr.

Woran ich nicht dachte, als ich sie hielt: dass der Name, den wir schon gewählt hatten, dasselbe trug. Ein Stern in der Mitte. Ein Licht am Ende. Das hatten wir nicht geplant. Wir wählten, was nach ihr klang — und stellten fest, dass wir Monate zuvor aufgeschrieben hatten, was ich in der ersten Stunde laut sagen würde.


Ich werde nicht viel über das schreiben, was ich seither beobachtet habe. Es ist ihres, nicht meines, es auszugeben.

Nur dies: Sie hat immer mehr gesehen als das, was im Raum war. Sie stellt die Frage, die unter der Frage liegt. Sie folgt einem inneren Lesen, das da war, bevor es ihr jemand beibrachte. Das ist nichts, was korrigiert werden müsste. So ist sie am meisten sie selbst.


Sie zeigte es mir in der ersten Stunde, und in den Jahren, die kamen und gingen. Ich verstand, was ich in ihr sah, und ich stand daneben — neben ihr —, um ihre Gaben zu stützen, nicht zu verneinen.

Ich blieb dort, wo ich sie weiter sehen konnte. Anwesend, wenn es möglich war.

Was ich ihr als ihr Vater schulde, ist nicht Rat und nicht einmal Schutz. Es ist Beständigkeit. Erkennbar ich selbst zu bleiben. Mir nicht auszureden, was ich sah. Erreichbar zu sein.


Letzten Dienstag — der gewöhnliche Dienstag, der Tag, bevor sie mit ihrer Mutter an die Ostsee fuhr — sagte sie am Strand: Papa, du gehst dahin, und ich gehe dahin, meine Freundin treffen. Sie ging. Ich war woanders am selben Strand. Ab und zu kam sie — für Wasser, für einen Apfel, oder einfach, um zu wissen, dass ihr Papa da war. Als ihre Freundin nach Hause ging, kam sie zurück. Wir lagen zusammen am Strand.


Tag 65 — Phase 9 — Hören — Perikard — Amethyst — Psalm 46 + Evangelium des Johannes
Gut Nisdorf, Mecklenburg-Vorpommern, Ostseeküste
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